Exkurs: Vergleichsszenarien

 

Um die Vorteile einer bestimmten Technologie (z. B. BHKW, Windkraft, Photovoltaik) hinsichtlich einer CO2-Minderung oder einer Primärenergieeinsparung herauszustellen, bedient man sich der Methode der Vergleichsszenarien.

Bei Betrachtung der verschiedenen CO2-Ermittlungen, welche in der Fachliteratur existieren, fällt die unterschiedliche Gestaltung der Vergleichsszenarien auf, anhand derer die jeweiligen Studien die Minderungspotentiale ermitteln. Trotz all dieser Unterschiede weisen die verschiedenen Studien in der methodischen Vorgehensweise große Übereinstimmungen auf. Die jeweiligen Vergleichsfälle setzen sich grundsätzlich aus drei Bausteinen zusammen, in denen verschiedene Strukturen möglich sind. Dadurch kommt es zu den jeweiligen Unterschieden bei der Bewertung der CO2-Minderung oder der Primärenergieeinsparung.

Grundsätzlich unterscheiden sich die gewählten Vergleichsfälle in:

 

*  der Methodik

*  der Vergleichsgrundlage

*  dem Vergleichsszenario

 

Methodik:

Hierbei unterscheidet man zwischen der ASUE- und der Gutschrift-Methode.

Bei der ASUE-Methode, welche nach dem Arbeitskreis für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch (ASUE) benannt ist, wird davon ausgegangen, daß die Wärme- als auch die Strombereitstellung gleichberechtigt betrachtet werden. Verglichen wird die gesamte gekoppelte Strom-/Wärmebereitstellung mittels BHKW oder BHKW-System (siehe Vergleichsgrundlage:) mit einer ungekoppelten Bereitstellung (siehe Vergleichsszenario). Zur näheren Erläuterung dieser Vorgehensweise sei auf ein Beispiel verwiesen.

Bei der Gutschrift-Methode wird der Kraft-Wärme-Kopplungsprozeß unter Beachtung einer Stromgutschrift in ein reines Wärmesystem bzw. unter Berücksichtigung einer Wärmegutschrift in ein reines strombereitstellendes System überführt. Zur näheren Erläuterung dieser Vorgehensweise sei auch hier auf ein Beispiel verwiesen. Besonders häufig anzutreffen ist die Überführung in ein rein wärmebereitstellendes System. Der Gutschrift-Methode liegt in diesem Fall die Philosophie zu Grunde, daß die Strombereitstellung für eine KWK-Anlage nicht das vorrangige Ziel ist, sondern „nur“ umweltentlastendes Nebenprodukt.

Absolut gesehen unterscheiden sich die Primärenergie-Einsparungen in beiden Fällen nicht. Da die Primärenergieeinsparung bei der Stromgutschrift-Methode auf den – um die Stromgutschrift geminderten – kleineren Primärenegieeinsatz bezogen wird, fällt die Energieminderung relativ (prozentual) höher aus (siehe Beispiel).

 

Vergleichsgrundlage:

In diesem Bereich geht es um die Systemabgrenzung der gekoppelten Strom- und Wärmebereitstellung. Hier stellt sich die Frage, ob das gesamte KWK-System (KWK-Modul und Spitzenkessel) oder lediglich das KWK-Aggregat zum Vergleich mit einem ungekoppelten System (Kraftwerk und Heizkessel) herangezogen wird. Die angenommen Wirkungsgrade des KWK-Aggregats bzw. des KWK-Systems sind für die Berechnung der CO2-Minderung und der Primärenergie-Einsparung genauso wichtig wie der eingesetzte Primärenergieträger (Erdgas, Erdöl, Steinkohle) sowie die Tatsache, ob und in welchem Umfang Verluste in der Strom- und Wärmeleitung berücksichtigt wurden.

Der eingesetzte Primärenergieträger besitzt aufgrund der unterschiedlichen spezifischen CO2-Emissionen einen großen Einfluß auf die resultierende Kohlendioxidmenge.

 

Vergleichsszenario:

Von besonderer Wichtigkeit ist die Wahl des ungekoppelten Vergleichsszenario. Dabei sind einerseits die angenommen Wirkungsgrade der Kondensationskraftwerke und Heizungssysteme als auch die eingesetzten Primärenergieträger von entscheidender Bedeutung. Außerdem ist es auch hier relevant, ob und in welchem Umfang Verluste in der Strom- und Wärmeleitung berücksichtigt wurden.

 

Die folgende Tabelle faßt die verschiedenen Bausteine eines Referenzszenario-Vergleichs noch einmal zusammen.

 

Methodik

ASUE-Methode

Gutschrift-Methode

Stromgutschrift

Wärmegutschrift

Vergleichsgrundlage

gekoppelte Systeme

KWK-Modul

KWK-Modul mit Spitzenkessel

Unterschied in den angenommenen Wirkungsgraden der KWK-Anlagen und der Spitzenkessel, in den angenommenen Primärenergieträgern und in den Verlusten der Strom- und Wärmeleitungen

Vergleichsszenario

ungekoppeltes Referenzsystem

Unterschied in den angenommenen Wirkungsgraden der Kondensationskraftwerken und Heizungssystemen, in den angenommenen Primärenergieträgern und in den Verlusten der Strom- und Wärmeleitungen

 

 

Markus Gailfuß, BHKW-Infozentrum Rastatt

 

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