Herrsching | 19. Januar 2021 |

Potentiale der Geothermie in Deutschland

Um die Geothermie wirtschaftlich als Ressource nutzen zu können, braucht es vor allem Daten aus dem Untergrund. Einen Überblick über den Stand der Forschung im Geothermie-Bereich gibt nun ein aktuelles Positionspapier.

Der Bundesverband Geothermie (BVG) hat ein Positionspapier mit einem Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Geothermie veröffentlicht. Neben tiefer und oberflächennaher Geothermie wird auch der Stand zu Wärmeverteilernetzen, Energiespeichern im Untergrund sowie Umwelteinwirkungen, Nachhaltigkeit und Akzeptanz erläutert, teilte der Verband am 15. Januar mit.

In der Tiefengeothermie haben zwar Fortschritte bei der Erkundung und Reservoir-Erschließung dazu beigetragen, das Fündigkeitsrisiko zu verringern und die Ausgangs- und Erfolgsbedingungen für Projekte zu verbessern. Forschungsbedarf besteht laut dem BVG vor allem für die Entwicklung eines umfangreicheren Erkundungsprogramms, das geothermisches Potenzial in weiteren Gebieten bestimmen und nutzbar machen kann. Eine weitere Möglichkeit ist die Rohstoffgewinnung aus Thermalwasser. Diesbezüglich gibt es weltweit bereits mehrere kommerzielle und wissenschaftliche Projekte zur Lithium-Extraktion.

In der oberflächennahen Geothermie sind die Kernthemen des Papiers: Kostenreduktion, Effizienzsteigerung, Erweiterung der Einsatzbereiche sowie der Grundwasserschutz. Relevant für Geothermie-Projekte ist nach Ansicht des Branchenverbandes auch eine Weiterentwicklung von Wärmeverteilernetzen für die niedrigeren Temperaturen, die durch die Geothermie geliefert werden können. Über Energiespeicher im Untergrund bietet sich die Möglichkeit, Wärmeenergie beispielsweise für den höheren Bedarf im Winter zu speichern. Für oberflächennahe Speicher ist jedoch der Grundwasserschutz essenziell und müsse weiter geforscht werden.

"Mit den erneuerbaren Energien haben wir alle Werkzeuge in der Hand, die gesetzten Klimaziele zu erreichen", sagt Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbandes Geothermie. Voraussetzung dafür sei aber eine effiziente und umfangreiche Nutzung. "Diese wird nur gewährleistet, wenn wir kontinuierlich an der Verbesserung der Technologien arbeiten und neue Nutzungsmöglichkeiten erschließen. Dafür brauchen wir eine bedarfsgerechte Forschung. Konkrete Vorschläge hinsichtlich der Geothermie haben wir dazu in unserem Positionspapier zusammengestellt."

Bei der Tiefengeothermie sind derzeit 38 Anlagen bundesweit in Betrieb, vier sind im Bau. Die gesamte Wärmeleistung liegt bei 349,71 MW. Anlagen, die zur sogenannten oberflächennahem Geothermie zählen, sind derzeit rund 420.000 mit etwa 6.300 MW in Betrieb. Das sind Erdwärmesonden oder -kollektoren in Verbindung mit Wärmepumpen.

Eine Agora-Studie, die Ende 2020 veröffentlicht wurde, sieht die Geothermie vor allem bei der Dekarbonisierung der Wärmenetze als eine wichtige Energiequelle an. Demnach könnten 10 Mrd. kWh bis 2030 aus Tiefengeothermie stammen, ab 2045 könnte dann mit 18 Mrd. kWh jährlich der Endausbau erreicht sein, so die Prognose. Für die Geothermie entspricht das in etwa einer Verzehnfachung der heutigen Wärmeerzeugung innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Das Positionspapier
Das Positionspapier "Stand der Forschung und Forschungsbedarf in der Geothermie" als PDF

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