5. Mai 2026 |

Baustart für 120-MW-Tauchsieder in Berlin

In Berlin startet der Bau einer 120-MW-Power-to-Heat-Anlage am Heizkraftwerk Mitte. Sie soll zukünftig Überschussstrom für das Fernwärmenetz nutzen.

Die landeseigene Berliner Energie und Wärme (BEW) hat am 4. Mai den Bau einer Power-to-Heat-Anlage (PtH) am Heizkraftwerk Berlin-Mitte begonnen. Sie entsteht gemeinsam mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz und dem Verteilnetzbetreiber Stromnetz Berlin.

Die Anlage soll eine Leistung von 120 MW erreichen und bis Ende 2028 in Betrieb gehen. Laut den beteiligten Unternehmen wandelt sie Strom aus Wind- und Solaranlagen bei hoher Einspeisung innerhalb weniger Minuten in Fernwärme um.

Die BEW übernimmt Bau und Betrieb der Anlage. 50 Hertz finanziert das Projekt mit bis zu 75 Millionen Euro und erhält im Rahmen eines Redispatch-Vertrags für fünf Jahre Zugriff auf die Steuerung. Der Anschluss erfolgt über das Hochspannungsnetz (110 kV) von Stromnetz Berlin. Nach Angaben von 50 Hertz amortisieren sich die Investitionen nach rund fünf Betriebsjahren.

Überschussstrom nutzen statt abregeln

Die Anlage kommt vor allem im Engpassmanagement zum Einsatz. Wenn im Osten Deutschlands mehr erneuerbarer Strom erzeugt wird, als verbraucht werden kann, nimmt die PtH-Anlage diesen Strom auf. Laut den Projektpartnern soll dadurch das Abregeln von Wind- und Photovoltaikanlagen reduziert werden. Gleichzeitig sinkt der Einsatz fossiler Brennstoffe in der Wärmeversorgung.

Nach Angaben der BEW kann die Anlage im Winter perspektivisch mehr als 30.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen. Im Sommer soll sie Warmwasser für rund 360.000 Haushalte bereitstellen. In den ersten fünf Betriebsjahren rechnet das Unternehmen mit einer jährlichen Einsparung von rund 76.000 Tonnen CO2 durch einen geringeren Erdgaseinsatz im Heizkraftwerk Mitte.

Severin Fischer, Staatssekretär für Wirtschaft, Energie und Betriebe in Berlin, erklärte, das Projekt zeige das Zusammenspiel von Strom- und Wärmesystemen. Die Nutzung von erneuerbarem Strom statt Abregelung stärke laut Fischer Versorgungssicherheit und Klimaschutz.

Für die BEW betonte CTO Kerstin Busch, die Anlage ermögliche es, Strom aus erneuerbaren Quellen direkt für Fernwärmekunden zu nutzen und Emissionen zu senken. Die Wärmewende erfolge dabei im laufenden Betrieb, mit dem Ziel einer klimaneutralen Fernwärmeversorgung bis 2045.

Auch 50 Hertz verweist auf die Systemwirkung. Vorstand Dirk Biermann erklärte, flexible Verbraucher wie Power-to-Heat-Anlagen könnten kurzfristig Strom aufnehmen und so Netzengpässe reduzieren. Bernhard Büllmann, Geschäftsführer von Stromnetz Berlin, kündigte an, den bestehenden Netzanschluss am Standort entsprechend umzurüsten.

Umstellung im laufenden Heizbetrieb

Technisch umfasst das Projekt laut BEW drei Elektrodenkessel mit jeweils 40 MW thermischer Leistung, zwei Netztransformatoren 110 kV / 22 kV sowie eine neue Schaltanlage. Zudem wird die bestehende Fernwärme-Pumpstation erweitert, um die hydraulische Kapazität zu erhöhen. Auf dem Neubau geplant ist ein sogenanntes Retentionsdach, das Regenwasser zurückhält, in Kombination mit einer Photovoltaikanlage.

Die Anlage ist Teil der Strategie zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Berlin. Laut BEW erfolgt der Umbau der Infrastruktur schrittweise und ohne Unterbrechung der Versorgung. Perspektivisch plant das Unternehmen am Standort zusätzlich den Einsatz einer Flusswasser-Wärmepumpe an der angrenzenden Spree.

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