Rastatt | 14. September 2026 |

Das Lügen-Märchen von der schmutzigen Photovoltaik

Die Erzählung von PV-Anlagen, bei deren Produktion Unmengen an schmutziger Energie ver(sch)wendet werden, wird regelmäßig in den sozialen Medien aufgebauscht. Meist geschieht dies durch angeblich besorgte Bürger, die – bewusst oder unbewusst - die Übersicht und notwendigen Mathematik-Kenntnisse verloren haben.

Immer wieder werfen „besorgte Bürger“ der Photovoltaik vor, dass sie gar nicht „sauber“ sei, sondern für die Herstellung der PV-Module viel schmutzige Energie (Strom) aufgewandt werden muss. Peter Pilz hat auf LinkedIn einen solchen Beitrag im September 2026 publiziert.
Darin schreibt er unter anderem: „Solarenergie wird mit massiven fossilen Energieeinsätzen gebaut. Nur der Output wird als grün bezeichnet. Das sind die Realitäten, über die Aktivisten nie sprechen wollen.“

Vorab sei angemerkt, dass es eigentlich kein Industrie-Land weltweit gibt, in dem Strom ausschließlich auf fossiler Basis erzeugt wird. Selbst in den beiden Staaten mit den geringsten Anteilen an Erneuerbaren Energien – Israel und Mexiko – beträgt der EE-Anteil bei der Stromproduktion 15-25%.
Übrigens betrug der EE-Anteil im Jahr 2025 in China, in denen die meisten PV-Module produziert werden, immerhin schon 35-38%.
Aber das sei nur nebenbei erwähnt – denn die Kernaussage des bei LinkedIn veröffentlichten Berichtes ist so offensichtlich falsch, dass es auf einen EE-Anteil im Strom gar nicht ankommt.

 

Eingesetzte Rohstoffe und Energien bei PV-Anlagen

Wie jedes Produkt und jede Technologie erfordert auch eine PV-Anlage Rohstoffe und Energie für die Herstellung. Bei Solaranlagen sind dies vorrangig Polysilizium, Aluminium und Silber.

In dem LinkedIn-Beitrag werden 3.400 Tonnen Polysilizium, mehr als 10.000 Tonnen Aluminium und eine nicht näher bezeichnete Menge Silber angenommen.

Wir haben bei unserer Berechnung den Rohstoff- und Energiebedarf für eine Freiflächen-PV-Anlage mit 1 Gigawatt Peakleistung (1 GWp) bewusst konservativ abgeschätzt. Dabei haben wir die tatsächlichen Verbrauchswerte der Jahre 2024/2025 angenommen. Die Datenbasis des LinkedIn-Beitrages scheint eher aus den Jahren vor 2020 zu stammen und negiert die technologischen Fortschritte völlig.

Angenommen wurden

  • 3.000 Tonnen Polysilizium (LinkedIn-Beitrag: 3.400 Tonnen)
  • 15.000 Tonnen Aluminium (LinkedIn-Beitrag: 10.000 Tonnen)
  • 15 Tonnen Silber

Bei Aluminium entfallen lediglich rund 5.000 Tonnen auf die Module. ProScienton hat aber in seiner Berechnung auch die Mengen für die Unterkonstruktion, die Verkabelung und die Gehäuse der Wechselrichter berücksichtigt.

 

Erforderliche Energiemenge

Auch hier wurde konservativ abgeschätzt – wohlwissend, dass inzwischen durch effizientere Prozesse teilweise deutlich geringere Energiemengen benötigt werden. Die angenommenen Energiemengen werden in der folgenden Tabelle dargestellt.

Insgesamt werden rund 1.080 GWh Strom für die Produktion der PV-Module benötigt, was annähernd 3,9 Millionen Gigajoule entspricht.
Die Berechnung von ProScienton weist deutlich mehr Energiebedarf auf, als in dem LinkedIn-Beitrag angenommen wurde. Dies liegt daran, dass die gesamten Prozessketten berücksichtigt wurden und auch der Energiebedarf für die Herstellung des Polysiliziums eingerechnet wurde.

Wie lange benötigt nun eine 1 GWp-Freiflächen-PV-Anlage zum Beispiel in Rastatt, um die Energie für die Herstellung einer solchen PV-Anlage auszugleichen?
Die Antwort ist einfach: zwischen 350 und 400 Tagen.

Demnach wäre bereits nach rund einem Kalenderjahr der ökologische Rucksack ausgeglichen. Hersteller der heute verbauten PV-Module geben inzwischen Leistungsgarantien von 25-30 Jahre. In der Praxis kann eine Freiflächen-PV-Anlage wahrscheinlich 30-40 Jahre wirtschaftlich betrieben werden.

Für die Betrachtung der Recycling-Quote wurde zurückhaltend konservativ ein Betrachtungszeitraum von gerade einmal 20 Jahren gewählt.

 

Energie-Gutschrift durch Recycling

Denn dieser Aspekt wird von den Fossil-Freunden immer wieder (bewusst) verdrängt:
das Material einer PV-Anlage ist auch nach Jahrzehnten noch vorhanden und kann recycelt werden.
Durch das Recycling können enorme Energiemengen eingespart werden – denn für recyceltes Silber, Aluminium und Polysilizium muss deutlich weniger Energie im Fertigungsprozess eingesetzt werden.

Aufgrund der europäischen Vorgaben und der deutschen Gesetzgebung existiert in Deutschland eine Rückgabe- bzw. Recycling-Pflicht. Bei großen gewerblichen PV-Anlagen erfolgt die Rücknahme meist über Hersteller, Rücknahmesysteme oder spezialisierte Entsorger.
Hersteller müssen ihre Module registrieren und die spätere Rücknahme und Verwertung finanzieren bzw. organisieren.

Inzwischen können von den eingesetzten Materialien technisch deutlich mehr als 90% recycelt werden. Diese Quote dürfte sich in den nächsten 20 Jahren noch erhöhen. Trotzdem wurde lediglich eine Recyclingquote in Höhe von 90% angenommen.

Die erzielbaren Energie-Einsparungen durch die Nutzung der recycelten Rohstoffe gegenüber einer Neuproduktion sind enorm.
Im Falle einer 1 GWp-Freiflächen-PV-Anlage würden es rund 880 GWh sein. Der tatsächlich eingesetzte Energiebedarf für eine solche PV-Anlage würde sich im Saldo auf gerade einmal 200 GWh belaufen.

Wie lange benötigt nun eine 1 GWp-Freiflächen-PV-Anlage zum Beispiel in Rastatt, um das Energie-Saldo nach Gutschrift des Recyclings einer solchen PV-Anlage auszugleichen?
Die Antwort ist verblüffend:
Die 200 GWh Energie-Saldo würden durch eine 1 GWp-Anlage im Sommer innerhalb von rund einem Monat produziert werden.
Ein Monat Sommer-Betrieb zum Ausgleich der im Saldo aufgewandten Energiemengen – bei wahrscheinlich mehr als 30 Jahren Betriebszeit. Offensichtlicher geht es kaum, die wahre Realität darzustellen.

 

Wahre Realität

Die Auswirkungen für die Modulproduktion sind in der Realität verschwindend gering.
Beiträge wie der vorliegende LinkedIn-Beitrag, die u. a. gezielt das Recycling nicht berücksichtigen, sind an Realitätsverweigerung nicht zu überbieten.

Die wahre Realität ist nun mal, dass bei PV-Anlagen die Rohstoffe wiederverwendet werden können. Rohstoffe wie Gas und Öl, die bei Verbrennungsprozessen durch den Schornstein gehen, sind dagegen nicht nur unwiederbringlich verloren, sondern tragen zusätzlich zur Klimaerwärmung bei.

Screenshot eines LinkedIn-Beitrages
Screenshot eines LinkedIn-Beitrages

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