Reichen 9,- Euro aus, um einen Mini-KWK-Boom auszulösen?

Rastatt, 08.05.2012

Mini-KWK-Anlagen für den Eigenheimbesitzer werden nach Koalitionsmeinung boomen. Das BHKW-Infozentrum widerspricht angesichts von 9,- Euro zusätzlicher jährlicher KWK-Förderung den euphorischen und unrealistischen Ausbauerwartungen der FDP und CDU.

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Eigentlich befasst sich der Wirtschafts- und Umweltausschusses des Deutschen Bundestages erst am Mittwoch, 09. Mai 2012, mit dem neuen KWK-Gesetz. Am Montag preschte der energiepolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Klaus Breil, bereits vor und verkündete den Medien, dass die Koalitionsfraktionen im Bundestag die Förderung für die Kraft-Wärme-Kopplung nachbessern wollen. Die Koalition will den KWK-Zuschlag für neue Anlagen ab 2013 nicht nur wie zunächst geplant um 0,2 Cent je Kilowattstunde erhöhen, sondern sogar um 0,3 Cent/kWh.

Für Anlagen, die dem Emissionshandel unterliegen wie zum Beispiel große industrielle KWK-Anlagen, soll nach Aussagen aus Koalitionskreisen die Zulage zusätzlich um 0,2 Cent pro Kilowattstunde erhöht werden. Diese würden dann einen additiven KWK-Zuschlag in Höhe von 0,5 Cent erhalten, was einer prozentualen Erhöhung der bisherigen Vergütung von bis zu 33% bedeuten würde.

Die Abstimmung über das KWK-Gesetz 2012 im Deutschen Bundestag ist für Donnerstag, 10. Mai 2012, vorgesehen. Neben der besseren Förderung von Neuanlagen sollen bestehende Kraftwerke mit dem Gesetz leichter nachgerüstet und modernisiert werden können. Außerdem sollen Wärme- und Kältenetze sowie Wärme- und Kältespeicher gefördert werden.

Hausbesitzer, die sich eine Mini-KWK-Anlage in den Keller stellen, könnten sich die Förderung auch für mehrere Jahre vorab auszahlen lassen. Hiervon erhofft sich die Koalition einen Schub für Klein- und Kleinstanlagen von bis zu zwei Kilowatt Leistung und damit einen Anreiz für den Ausbau einer dezentralen Energieversorgung. Medienwirksam wird dies von der Koalitionsfraktion in den Fokus gerückt. Mit Erfolg – so titelt das gleichnamige Online-Magazin Focus am 07. Mai 2012 „Koalition plant Energiezuschuss für Hausbesitzer“.

Das BHKW-Infozentrum (www.bhkw-infozentrum.de) sieht dies indes „nicht ganz so euphorisch“ wie die Koalition. „Gemäß den Berechnungen des BHKW-Infozentrums würde die Erhöhung für BHKW-Kleinstanlagen gerade mal einen Zusatzerlös in Höhe von rund 90,- Euro bedeuten – wohlgemerkt auf einen Zeitraum von 10 Jahren“, so Markus Gailfuß vom BHKW-Infozentrum. Er rät jedem, sich selbst ein Bild davon zu machen, wie realistisch die Ausbauerwartung der Bundesregierung im kleinen BHKW-Leistungsbereich angesichts eines Zusatzerlöses von gerade mal 9,- Euro pro Jahr sein dürfte.

Die Bundesregierung will den Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung an der deutschen Stromerzeugung auf 25 Prozent bis zum Jahr 2020 auszubauen. Entgegen den Pressemeldungen, in denen die Dezentralität der KWK-Anlagen von Privatanwender als politisches Ziel hervorgehoben wird, setzt die Bundesregierung jedoch gezielte Anreizwirkungen vor allem im großen Leistungsbereich. Grundsätzlich ist an der Förderung von KWK-Anlagen größerer Leistung nichts auszusetzen, wenn im Rahmen der Ausgewogenheit auch kleine und mittlere Anlagen in ähnlich starker Weise gefördert werden.

Quelle: BHKW-Infozentrum
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