Herrsching | 12. Februar 2016 |

Grün, grau, blau – KWK-Strom ist blau

„Der blaue Strom“ heißt das Gütesiegel, das der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) als Marketinginstrument für KWK-Anlagenbetreiber und für die eigene Lobbyarbeit erfunden hat.

Die Farbe Grün ist schon vergeben. Vom Grau der konventionellen Energiewirtschaft will sich die KWK-Branche abgrenzen. Mit Blau meint die Werbebranche Sauberkeit und Zuverlässigkeit, aber auch Eigenschaften wie Seriosität und Vertrauen suggerieren zu können. Wie viele Banken und Versicherungen hat nun auch der B.KWK einen blauen Farbton für seine neue Marke gewählt. „Mit unserem Gütesiegel wollen wir KWK-Strom ein neues Gesicht geben“, betont Berthold Müller-Urlaub. Der B.KWK-Präsident sieht die Branche „und unsere Marke als geborenen Partner der regenerativen Energien: Denn KWK-Anlagen leisten gemeinsam mit den erneuerbaren Energien einen entscheidenden Beitrag für den Erfolg der Energiewende.“

Um diesen Aspekt dem Verbraucher, aber auch der Politik endlich begreiflich zu machen, sei eine eigene Marke notwendig geworden. Müller-Urlaub will KWK-Strom mit dem Label aufwerten. In der Präambel für den entsprechenden Vertrag heißt es: „Hocheffizient erzeugter KWK-Strom erfährt bei der Einspeisung in das Netz der allgemeinen Versorgung eine Herabsetzung im bundesdeutschen Graustrommix.“ Das Gütesiegel soll dem Anlagenbetreiber nun „ermöglichen, den Strom beim Endkunden leichter und werthaltiger abzusetzen und ein Bewusstsein für die KWK-Technik zu schaffen“.

Als KWK-Strom hat der B.KWK solchen definiert, der nach der EU-Effizienzrichtlinie als hocheffizient erzeugter KWK-Strom gilt. Laut Müller-Urlaub ist „die Zertifizierung damit auf einem relativ niedrigen Niveau möglich“. Hürden für KWK-Anlagenbetreiber – mit Blick auf mehr Effizienz oder Umweltschutz – werden tatsächlich nicht aufgebaut. Den Hocheffizienznachweis erbringen in der Regel bereits die KWK-Anlagenhersteller, weil dieser vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) verlangt wird, damit Betreiber die Förderung im Rahmen des KWK-Gesetzes erhalten. Darüber hinaus ist der Nachweis eine unverzichtbare Voraussetzung für die Rückerstattung der Energiesteuern. Eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Brenn- oder Treibstoffen wird bei dem Label nicht vorgenommen. Mit regenerativen oder fossilen Energieträgern in KWK-Anlagen erzeugter Strom wird im Hinblick auf das Gütesiegel gleich behandelt, heißt es weiter im Vertrag. Strom aus Kernkraft ist ausdrücklich ausgenommen.

Für einen jährlichen Beitrag (90 Euro für Mitglieder des B.KWK und 270 Euro für Nicht-Mitglieder) darf sich der Anlagenbetreiber das Gütesiegel zwei Jahre ab Vertragsunterzeichnung „zu Werbezwecken auf der Grundlage von Eigenangaben anlagebezogen“ zu Nutze machen. Eine missbräuchliche Verwendung des Gütesiegels liegt den Angaben zufolge dann vor, „wenn das Gütesiegel im Zusammenhang mit Kernenergie oder CO2-intensiven konventionellen Erzeugungstechniken oder ausschließlichem Kondensationsbetrieb beworben wird oder mit Umweltzerstörung in Verbindung gebracht wird“. Der Mehrwert für den Betreiber einer KWK-Anlage besteht laut Müller-Urlaub „in der entsprechenden kundeninternen Verwertung sowie der presseseitigen Begleitung, was einen sehr nachhaltigen, positiven PR-Faktor für das Unternehmen darstellen dürfte“.

Das erste Label wurde Mitte Januar an KWK-Anlagen der Stadtwerke Lemgo angebracht. Nun soll der Vertrieb des Marketinginstruments angekurbelt werden. Um das Konzept des neuen Gütesiegels künftig zu erweitern, hat sich der B.KWK nicht nur das Label „Der blaue Strom“, sondern auch das Pendant „Die blaue Wärme“ schützen lassen. „Dass Kraft-Wärme-Kopplung auch einen entscheidenden Beitrag im Sektor Wärme leistet, wird immer wieder verkannt“, argumentiert Müller-Urlaub.

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Redakteur
Michael Pecka

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