Herrsching |4. Juni 2018 |

Erdgasnutzung für Stromerzeugung immer wichtiger

Der Einsatz von Erdgas für die Stromerzeugung in Europa wird in den nächsten Jahren nach einer Untersuchung des Institutes für Energie-Studien in Oxford weiter steigen. Die Studie „Natural gas demand in Europe in 2017 and short term expectations” ist nun verfügbar.

Erdgas werde die Lücke füllen, die vom Ausstieg aus der Kohle und der Kernkraft gerissen werde, schreiben die britischen Wissenschaftler. Diese Lücke könne nicht allein von den erneuerbaren Energien geschlossen werden.

2017 stieg der Erdgas-Verbrauch in der EU zum dritten Mal in Folge nach vorläufigen Zahlen auf 548 Mrd. m3. Das Oxford-Institut geht von einem Anstieg um 5 % aus, nach 6,5 % in 2016 und 3,9 % in 2015. Die Nachfrage lag damit um 76 Mrd. m3 über dem Niveau von 2014, war aber 37 Mrd. m3 geringer als 2010. Der Verbrauchsanstieg sei zum Teil wetterbedingt, weil die Nachfrage nach Gas für Heizungen im Winter und für Klimatisierung im Sommer 2016 und 2017 über dem Durchschnitt lag.

Darüber hinaus sei der Gasverbrauch durch die anziehende Konjunktur gestiegen. Wachstum führe inzwischen zwar nicht mehr automatisch zu einem höheren Energieverbrauch, in der Industrie sei das aber nicht ausgeschlossen. Insbesondere in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, in der Türkei und in Großbritannien habe die Industrieproduktion angezogen und zu einer höheren Gasnachfrage geführt.

Auch der Gasverbrauch in der europäischen Elektrizitätswirtschaft steigt seit 2015 wieder an. 2017 wurden mindestens 127 Mrd. m3 verstromt. Am deutlichsten stieg der Gasverbrauch in Spanien (+26,8 %), der Türkei (+26,3 %), in Frankreich (+19,2 %), den Niederlanden (+12,6 %) und Polen (+11,4 %). In deutschen Kraftwerken wurde nur 0,4 % mehr Gas verfeuert, in Großbritannien 4,4 % mehr. Die britischen Kraftwerke hatten ihren Gasverbrauch allerdings schon 2016 deutlich ausgeweitet.

Insgesamt stieg der Anteil von Gas am Erzeugungsmix von 19,5 % auf 21,2 %. Obwohl dabei Sonderfaktoren (so nahm Frankreich 2017 mehrere Atomkraftwerke längere Zeit für Wartungsarbeiten vom Netz) eine Rolle gespielt haben, erwarten die Autoren, dass dieser Trend in den nächsten Jahren anhält.

Als wichtigsten Grund dafür hat man in Oxford die steigende Rentabilität der Verstromung von Gas gegenüber Kohle und den politischen Willen ausgemacht, aus der Kohleverstromung auszusteigen. Kurzfristig werde die Rückkehr der französischen Atommeiler ans Netz zwar dazu führen, dass in Frankreich und seinen Nachbarländern weniger Gas verstromt werde.

Danach werde sich der Trend zu mehr Gas aber wieder durchsetzen. Zu ersetzen seien insbesondere die deutschen Atomkraftwerke. Auch in anderen Ländern denke man über die Schließung von Kernkraftwerken nach.

Der größte Bedarf entstehe jedoch dadurch, dass Kohlekraftwerke aus wirtschaftlichen Gründen ausgemustert würden. Eine Ursache dafür sieht die Studie in den höheren Anforderungen der europäischen Emissionsrichtlinie, die 2023 in Kraft treten. In vielen Fällen lohne sich die Nachrüstung dafür nicht. Deswegen würden bis 2023 Kohle- und (wenige) Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 50 000 MW geschlossen.

Die technischen Standards für den Emissionshandel, die 2021 angehoben werden, könnten von vielen Anlagen nur mit erheblichen Investitionen erfüllt werden. Auch dafür lohne sich die Nachrüstung oft nicht. Diese Anlagen würden entweder weniger Strom produzieren oder ganz vom Netz gehen. Hinzu komme die Aussicht auf steigende CO2-Preise.

Unabhängig davon hätten mehrere Länder einen Kohleausstieg beschlossen: Frankreich 2022, Italien und Großbritannien 2025, Finnland, Portugal und die Niederlande 2030.

Dadurch werde die Verwendung der Kohle als Rohstoff für die Stromerzeugung von derzeit 20 % in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen. Dies könne durch den Ausbau der erneuerbaren Energien nur teilweise ersetzt werden. Sollten große Kohlekraftwerke kurzfristig geschlossen werden, könnten weder neue Erzeugungsanlagen noch die notwendigen Leitungen schnell genug gebaut werden. In diesem Fall müssten alte Gaskraftwerke sowohl für die Grund- als auch für die Spitzenlast ans Netz zurückgeholt werden.

Die Studie „Natural gas demand in Europe in 2017 and short term expectations“ kann hier abgerufen werden.

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