Herrsching | 25. Februar 2020 |

Zehn Millionen Euro Zuschuss für innovative KWK-Anlage

Die Stadtwerke Stein haben den Zuschlag für ein innovatives Kraft-Wärme-Kopplungs-Projekt erhalten.

Gerade Stadtwerke aus Bayern sind bisher bei Ausschreibungen für „innovative Kraft-Wärme-Kopplung“ iKWK sehr erfolgreich: Sechs der bisher von der Bundesnetzagentur BNetzA für iKWK erteilten Zuschläge, also genau ein Drittel, gingen in den Freistaat. Die Stadtwerke Rosenheim waren gleich dreimal erfolgreich, dazu kamen je einmal die Versorger aus Bad Reichenhall und Bayreuth. Und am 9. Dezember bekam auch Stein bei Nürnberg einen Zuschlag.

Dank des iKWK-Zuschlags wird die Umsetzung des neuen, innovativen Energiekonzepts der Stadt Stein mit 10 Mio. Euro gefördert. Kaum verwunderlich, dass der 1. Bürgermeister Kurt Krömer bei der offiziellen Übergabe der Ausarbeitung jubelt: „Wir spielen nun in der Energie-Bundesliga.“

In Zeiten von Klimakrise und Energiewende ist es fast normal, dass Kommunen Energiekonzepte erstellen lassen. Doch welche Stadt in der Größenordnung des 14.000-Einwohner-Ortes kann schon von sich behaupten, dass sie bei der Umsetzung so stark unterstützt wird?

Sowohl Krömer als auch Rene Lukas, Geschäftsführer der Stadtwerke Stein (StSt), machen deshalb aus ihrer Freude kein Hehl. Das Energiekonzept hatten die Stadtwerke bei der Technischen Hochschule Amberg-Weiden (TH) bestellt; es geriet sehr innovativ. Eine folgende Machbarkeitsstudie ergab: Die Umsetzung ist tatsächlich möglich.

„Daher haben wir uns mit diesem iKWK-System bei der bundesweiten iKWK-Ausschreibung beworben und durchgesetzt. Nun fließen in den nächsten fünfzehn Jahren rund zehn Millionen Euro Fördermittel nach Stein“, erklärt Stadtwerke-Chef Lukas vor Medienvertretern. Aber auch für TH-Professor Markus Brautsch war der Zuschlag „ein großer Augenblick. Das innovative Ziel war sehr hoch, aber wir haben es geschafft.“

In drei Jahren soll die komplette Anlage in Betrieb gehen

Welcher kWh-Preis in dem Gebot der Stadtwerke stand, wollte Lukas zwar nicht verraten. Doch seine Bemerkung „wir sind sehr glücklich“ lässt erahnen: Das Steiner Gebot war ziemlich nahe am obersten Zuschlagswert dieser Ausschreibung; der lag bei 11,20 Ct/kWh.

Nun soll die Technik für die iKWK Stein noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden. Spätestens in drei Jahren sollen die Anlagen in Betrieb gehen. Vier der besagten zehn Mio. Euro sind für die Investition veranschlagt. Mit dem Rest des Geldes wird der laufende Betrieb bezuschusst.

Kernstück ist ein Blockheizkraftwerk (BHKW). Das hat eine elektrische Leistung von 2.000 Kilowatt (kW) und soll über einen Zeitraum von 15 Jahren insgesamt 45.000 Volllast-Benutzungsstunden in Betrieb sein, vor allem im Winter. Die Stromerzeugung liegt demnach über die Gesamtlaufzeit bei 90 Mio. kWh. Diese Strommenge reiche in dieser Zeit für über 5.000 Steiner Haushalte aus, so die Berechnung.

Wenn das BHKW läuft, wird dessen Abwärme ins Fernwärmenetz der Stadtwerke eingespeist, an dem bereits etwa 1.200 Wohnungen und Häuser hängen. Die Einbindung in ein Wärmenetz ist Voraussetzung für die Bewerbung auf iKWK-Mittel. Da das (noch nicht ausgeschriebene) BHKW genauso viel Wärme wie Strom liefern soll, rechnet man in Stein ebenfalls mit etwa 6 Mio. kWh pro Jahr.

Ist das BHKW aus, gerade im Sommer, wird die vor allem für Warmwasser nötige Wärme mit Hilfe von Wärmepumpen (WP) gewonnen. Stadtwerke-Chef Lukas gibt zu, dass es noch nicht endgültig entschieden sei. Aber voraussichtlich würden zwei WP mit jeweils 500 kW Leistung zum Einsatz kommen. Deren Leistungszahl (Coefficient Of Performance) solle mindestens COP=3 betragen. Die Vorgabe der Ausschreibung, mindestens 30 Prozent der per BHKW erzeugten Wärmemenge hierüber ins Netz einzuspeisen, sei damit zu erfüllen, ist der Geschäftsführer sicher. Der Strom für die WP wiederum stamme aus Wind-, Solar- oder Wasserkraftwerken, erklärte der Stadtwerke-Chef, denn „seit Jahren stammt die von uns und der Stadt bezogene Elektrizität komplett aus erneuerbaren Quellen“.

Außerdem sei das BHKW auch noch „netzdienlich“: Es könne die immer stärker aus unsteten Ökokraftwerken stammende Stromerzeugung ausgleichen, erläutert Professor Markus Brautsch. Das soll mit Wärmetauschern geschehen, die Wasser mit Strom erhitzen. „An dieser Stelle haben wir noch keine Festlegungen getroffen. Nur so viel ist klar: Wir müssen die Anforderungen erfüllen, die die iKWK-Ausschreibung vorgibt“, ergänzt Lukas.

Was das bedeutet, steht in §24(1)5 der KWK-Ausschreibungsverordnung: Die Zulassung für das Gesamtsystem werde „erteilt, wenn das innovative KWK-System technisch dazu in der Lage ist, die Wärmeleistung, die aus dem KWK-Prozess maximal ausgekoppelt werden kann, zu mindestens 30 Prozent mit einem mit der Anlage verbundenen elektrischen Wärmeerzeuger zu erzeugen“.

Die iKWK-Komponenten werden in die bestehende Wärmezentrale im Ortsteil Deutenbach sowie in der Turnhalle am Grundschulzentrum im Hauptort eingebaut. Beide Lokalitäten sind bereits am Fernwärmenetz der Stadtwerke Stein angeschlossen. Zunächst ist vorgesehen, das BHKW mit Erdgas zu betreiben. Doch die Stadtwerke denken über den Einsatz von Gasen nach, die aus Erneuerbaren Energien gewonnen wurden, also beispielsweise Wasserstoff.

Als ein „dezentrales, nachhaltiges Energiekonzept, den ergänzenden Baustein für die Energiewende in Stein“, bezeichnet der Stadtwerke-Chef das, was nun entstehe. Dies wolle man auch den Bürgern bald in Infoveranstaltungen nahebringen. Und für Bürgermeister Krömer steht fest: „Anderswo wird nach der Energiewende gerufen – in Stein handeln wir.“ Geschäftsführer Lukas nennt hierzu eine konkrete Zahl: Die vorgesehene Anlage zur Kopplung von Wärme und Strom spare über die 15 geplanten Betriebsjahre hinweg 25.000 Tonnen CO2 ein.

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