5. August 2019 |

Bislang kein Anspruch auf Smart Meter in der EU

Der Rat der Europäischen Energie-Regulatoren (CEER) hat vor den Problemen bei der flächendeckenden Einführung von Smart Metern gewarnt.

In der Übergangsphase könnten erhebliche Interessenkonflikte auftreten, weil die Vorteile der intelligenten Messsysteme erst bei einer nahezu vollständigen Abdeckung zum Tragen kämen. Eine Herausforderung stelle auch der Umgang mit den Daten dar, die intelligente Zähler generierten, heißt es in einer Studie des CEER.

In dieser haben die Regulatoren die Erfahrungen mit Smart Metern und neuen Tarifstrukturen in mehreren Staaten ausgewertet. Nach der neuesten Gesetzgebung der EU müssen die Mitgliedstaaten sicherstellen, „dass jeder Endkunde Anspruch auf die Installation eines intelligenten Zählers beziehungsweise – auf Antrag und zu fairen und angemessenen Bedingungen – Anspruch auf Aufrüstung eines intelligenten Zählers hat“ (Art.21 Strommarkt-Richtlinie).

Bislang gebe es einen solchen Anspruch „in keinem EU-Mitgliedstaat“, heißt es in der Studie, die in dieser Woche in Brüssel veröffentlicht wurde. Allerdings könnten sich Stromkunden in Schweden, wo alle Haushalte seit 2009 mit intelligenten Zählern ausgerüstet sind, seit 2012 für eine Nachrüstung mit noch schlaueren Zählern entscheiden. Das Interesse daran sei aber überschaubar. Ab 2025 sollen alle Zähler mindestens eine stündliche Verbrauchsmessung ermöglichen. Bislang bieten sechs (von 120) schwedische Stromlieferanten stündlich wechselnde Preise an, die sich an den Day-Ahead-Notierungen orientieren. Für die Verbraucher sei es allerdings nicht leicht, diese mit den sonst üblichen Monats- oder Jahresverträgen zu vergleichen, kritisiert der CEER.

Nutzung der Daten im Fokus

In Norwegen begann die Einführung bereits 2011. Anfang des Jahres verfügte fast jeder norwegische Haushalt (98 %) über einen Smart Meter, der den Energieverbrauch stündlich ausweist. Die Verteilnetzbetreiber (DSO) versprechen sich von den zusätzlichen Informationen erhebliche Einsparungen bei den Netzinvestitionen. Einzelne DSO hätten geplante Investitionen bereits verschoben oder gestrichen, heißt es in dem Bericht des CEER. Die DSO planten die Einführung flexibler Netztarife in der Hoffnung, dass die Kunden ihren Verbrauch in Zeiten verschieben, in denen das Netz weniger belastet ist. Ein norwegischer Haushalt verbraucht im Jahr durchschnittlich 16 000 kWh. Allerdings warnt der CEER vor den hohen Kosten jener 2 % Haushalte, die aus technischen oder sozialen Gründen keinen Smart Meter einsetzen können. Das getrennte Erheben und Verarbeiten der Messdaten koste zwischen 50 und 200 Euro pro Jahr und Haushalt. Parallele Messsysteme, die bei einer schrittweisen Einführung von Smart Metern notwendig würden, könnten deswegen zu erheblichen Kostensteigerungen führen.

Im Hinblick auf die Nutzung der gemessenen Werte gibt es nach Angaben des CEER verschiedene Modelle. So haben die Marktteilnehmer in Österreich ein gemeinsames Protokoll entwickelt, mit dem die Daten „übermittelt, verteilt und entgegengenommen“ werden können. Sie stehen auch den kleineren Anbietern und Verteilnetzbetreibern „kostengünstig“ zur Verfügung. Allerdings gibt es keine systematische Kontrolle durch die Regulierungsbehörde.

In Tschechien stehen die technischen Daten vor allem dem Übertragungsnetzbetreiber (TSO) zur Verfügung, die Akteure am Markt konzentrieren sich auf die kommerziellen Daten. Über eine Zusammenführung wird noch diskutiert.

In Dänemark muss der TSO einen „Datenhub“ für die gesamte Branche betreiben. Dort wird zwischen „kundenbezogenen Daten“, „Zählerdaten“ und solchen Daten unterschieden, die von den intelligenten Zählern erhoben werden. Die Kunden können die über sie gespeicherten Daten einsehen, die – etwa bei einem Anbieterwechsel – auch anderen Marktteilnehmern zur Verfügung stehen. Personenbezogene Kundendaten dürfen jedoch nur solange gespeichert sein, wie es nötig ist.

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