Negative Strompreise – Fakten und Statistiken

Negative Strompreise werden sehr häufig als eine große Gefahr für die Stromwirtschaft dargestellt. Aber wie viele negative Strompreise gibt es und wann treten diese eigentlich auf?

Negative Strompreise treten an der Strombörse dann auf, wenn ein Überangebot an Strom auf dem Markt vorhanden ist. In solchen Fällen eines Überangebotes reduzieren sich die Strompreise erheblich und können sogar negative Werte einnehmen. Dies passiert vorrangig zu Zeiten, in denen viel Strom aus volatilen erneuerbare Energien (EE) wie Windkraft und Photovoltaik produziert wird und thermische Kraftwerke nicht schnell genug ihre Leistung reduzieren.

 

Hat sich in den letzten Jahren die Anzahl negativer Strompreise erhöht?

Betrachtet man die Jahre 2015-2018 so unterliegen die negativen Strompreise zwar gewissen Schwankungen. Anhand der Daten ist aber kein Anwachsen der Stundenkontrakten mit negativen Strompreisen erkennbar. Die Jahre 2015, 2017 und 2018 lagen mit 126-149 negativen Stundenkontrakten (2017 und 2018 inklusive jeweils 2-3 Preisen mit Nullwerten)  in einem relativ engen Wertebereich. Im Jahre 2016 traten sogar weniger als 100 negative Stundenkontrakte auf.

Tabelle 1: Anzahl der Stunden mit negativen Strompreisen und der betroffenen Tage nach Monaten (Stand: 04.04.2019)

  2015 2016 2017 2018 2019
  Anzahl
Tage
Anzahl
Stunden
Anzahl
Tage
Anzahl
Stunden
Anzahl
Tage
Anzahl
Stunden
Anzahl
Tage
Anzahl
Stunden
Anzahl
Tage
Anzahl
Stunden
Januar 4 28 3 5 1 3 8 44 4 35
Februar 1 8 5 14 2 5 2 5 2 9
März 4 14 1 6 0 0 2 21 9 46
April 3 14 0 0 3 16 1 3    
Mai 2 17 3 21 1 17 4 31    
Juni 0 0 0 0 0 0 0 0    
Juli 1 3 1 2 1 7 0 0    
August  0 0 0 0 2 8 0 0    
September  1 13 0 0 2 8 1 3    
Oktober 0 0 0 0 4 39 1 6    
November 4 18 2 14 1 1 0 0    
Dezember 5 11 4 35 7 42 6 21    
Summe  25 126 19 97 24 146 25 134 15 90

 

Noch deutlicher wird dieser Trend, wenn man die Anzahl der Tage betrachtet, an denen negative Stundenpreise auftraten. Diese waren in den Jahren 2015, 2017 und 2018 mit 24-25 Tagen nahezu identisch. Im Jahre 2016 existierten nur 19 Tage mit negativen Stundenkontrakten.

Bezogen auf die Gesamtjahresstunden-Anzahl nehmen negative Stundenkontrakte mit rund 1,5 % eine eher geringe Bedeutung ein. Im Jahre 2019 lag die Anzahl der negativen Stundenkontrakte im ersten Quartal (Januar bis März 2019) bereits bei 90. Dies ist deutlich höher als in den letzten Jahren. Ein Trend für das Gesamtjahr lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, da auch im ersten Quartal des Jahres 2018 schon 71 negative Stundenkontrakte existierten, die Gesamtzahl aber wegen der geringen Anzahl negativer Preise im Sommer und Herbst nicht angewachsen war.

In welchen Monaten kommt es besonders häufig zu negativen Stundenkontrakten?

Aufgrund der Feiertage im Dezember treten die meisten negativen Stundenpreise forciert im Dezember auf. Außerdem stechen die Monate Januar und Mai besonders heraus. Dagegen gab es in den Jahren 2015-2018 keine einzige negative Stunde im Juni.

Abbildung 1: Anteil der negativen Stundenkontrakte in den jeweiligen Monaten in Bezug auf die Gesamtzahl negativer Stundenpreise 2015-2018 (Stand: 04.04.2019)

 

Zu welchen Uhrzeiten kommen negative Stundenkontrakte zustande?

Wertet man die negativen Stundenkontrakte der Jahre 2015-2018 aus, so zeigt sich eine Häufung der negativen Stunden Kontrakte insbesondere zwischen 0:00 Uhr und 7:00 Uhr morgens sowie zwischen 14:00 und 16:00 Uhr. Besonders wenige negative Strompreise wurden zwischen 18:00 Uhr und 23:00 Uhr ermittelt.

Abbildung 2: Anteil der negativen Stundenkontrakte in den jeweiligen Tages-Stunden in Bezug auf die Gesamtzahl negativer Stundenpreise 2015-2018 (Stand: 04.04.2019)

 

Welche Jahreszeiten sind besonders durch negative Strompreise geprägt?

Es verwundert nicht besonders, dass vorrangig im Winter eine Häufung negativer Stundenpreise auftritt. Aber auch der Frühling weist mit 118 negativen Stundenkontrakten in den letzten drei Jahren eine höhere Signifikanz auf. Eher verwunderlich ist es, dass trotz Herbststürmen die Monate September bis November in den letzten drei Jahren nur 74 Stundenkontrakte aufwiesen.

Abbildung 3: Anzahl der negativen Stundenkontrakte und der davon betroffenen Kalendertage für die Jahre 2016-2018 kumuliert (Stand: 04.04.2019)

 

Der Sommer und damit der Strom aus Photovoltaik-Anlagen spielt dagegen nahezu keine Bedeutung bei den negativen Stundenkontrakten. In den letzten drei Jahren kam es gerade einmal zu 17 negativen Stundenpreisen an insgesamt vier Tagen.

Betrachtet man den zeitlichen Verlauf der Jahreszeiten in den vergangen Jahren, so tritt auch hier ein Gesamttrend deutlich hervor. Besonders herausstechend ist der Winter 2017/2018 (Dezember 2017 bis Februar 2018). In diesem Zeitraum wurden 92 negative Stundenkontrakte an der Börse detektiert.
Noch beeindruckender stellt sich der Sommer 2018 dar. Im Zeitraum Juni bis August 2018 kam es zu keinem einzigen negativen Stundenpreis.

Abbildung 4: Anzahl der negativen Stundenkontrakte im zeitlichen Verlauf 2017-2019 (Stand: 04.04.2019)

 

Begriffserläuterung:
Negative Stundenkontrakte – An der Strombörse gehandelte Kontrakte (Kauf / Vertrag) einer Stunde mit negativen Preisen .

Autoren: Carmen Klein, Markus Gailfuß
Stand: 04.04.2019

 

Druckmanager BHKW-Infozentrum